Epilog

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Russland enorm, und die Reichsten der Reichen sind Aktionäre der Bank Rossija.

Junge Frauen vor einer Stretch-Limousine in Moskau.

Junge Frauen vor einer Stretch-Limousine in Moskau.

Der Preis: Millionen Russen leben heute in bitterster Armut.

Jugendliche springen von einem Autowrack in Sibirien.

Jugendliche springen von einem Autowrack in Sibirien.

Spätestens seit 2013 lief das «System Roldugin», wie man es in den Daten findet, aus. Die Verträge zur Kontrolle von Kamaz wurden zurückbuchstabiert. Mit der Zypernkrise begann Rossija offenbar, das goldene Karussell «abzubauen». Hunderte Millionen an Darlehen wurden plötzlich an eine andere Briefkastenfirma geleitet, die Rechte dazu wechselten oft für einen Dollar die Hand, so steht es zumindest in den Verträgen. Und die neue Firma hatte nun Konten im sicheren Luxemburg, weit weg von den Problemen in Zypern.

Am 1. November 2013 wurde die Firma Sandalwood aufgelöst. Das goldene Karussell stoppte.

Bereits zuvor gab Roldugin seine Firma Sonnette ab, später folgte auch IMO. Roldugin selber, der während der ganzen Zeit nicht in Erscheinung trat, blieb ein unbescholtener Musiker, der von sich sagt, er sei nicht reich. Bis heute.

Sergei Roldugin antwortete in den letzten zwei Wochen nicht auf zahlreiche Anfragen zu seinen Offshore-Firmen und seinem Vermögen. Reportern des ICIJ gelang es, den Musiker nach einem Konzert zu befragen. Roldugin sagte bei dieser Gelegenheit, er brauche mehr Zeit, die Fragen zu beantworten.

Auch der Kreml und Wladimir Putin beantworteten keine der detaillierten Fragen. Dafür trat ein Sprecher von Putin an einer Pressekonferenz auf, nannte die Fragen der Journalisten ein «Verhör» und sagte, dahinter stehe eine organisierte Kampagne, um Russland zu destabilisieren und dem Präsidenten zu schaden. Details über die Beziehung zu Roldugin nannte er keine.

«Roldugin blieb ein unbescholtener Musiker, der von sich sagt, er sei nicht reich.»

In einem Land mit einer Bevölkerung von 143 Millionen besitzen 110 Milliardäre ein Drittel des gesamten Vermögens.

In Kasan verkauft eine ältere Frau Blumen in einer Einkaufsstrasse.

In Kasan verkauft eine ältere Frau Blumen in einer Einkaufsstrasse.

Im Jahr 2013 veröffentlichte die Credit Suisse in ihrem «Global Wealth Report», dass die Kluft zwischen der breiten Masse der Bevölkerung und den Superreichen in Russland so tief sei wie in keinem anderen grossen Land der Welt.

In einem Land mit 143 Millionen Bevölkerung besitzen 110 Milliardäre ein Drittel des gesamten Vermögens. Unter den Reichsten sind viele Aktionäre von Bank Rossija und Freunde Putins.

Die CS schreibt, in Russland sei die Ungleichheit derart gross, dass es dafür eine eigene Länderkategorie bräuchte. Der Preis: Millionen Russen leben heute in bitterster Armut.

US-Autorin Karen Dawisha beschrieb Russland als eine Kleptokratie – eine Herrschaft der Diebe.

Für Experten ist Russland eine Kleptokratie: «Eine Herrschaft der Diebe.»

  • Impressum
  • Text: Oliver Zihlmann, Jake Bernstein, Petra Blum, David Thompson
  • Produktion: Patrice Siegrist
  • Bildredaktion: Olaf Hille, Koni Nordmann, Boris Müller
  • Programmierung: Roy Holliger
  • Projektleitung: Oliver Zihlmann, Jan Derrer
  • Fotos: Platon/Trunk Archive, Dimitry Astakhov/Presidential Press Service, Ria Novosti/Reuters, Reinhard Winkler, Esther Michel, Walter Bieri/Keystone, Bloomberg/Getty Images, Abaca/Dukas, Dmitry Kostyukov/AFP, Yannis Behrakis/Reuters, Yana Lapikova/Ria Novosti, Alexey Druginyn/Keystone, Dimitri Dukhanin/Kommersant/Getty Images, Alexander Demianchuk/Reuters, Valery Voennyy/Alamy Stock Photo, Ken Scicluna/Getty Images, Michele Limina, Dream Pictures/Tetra Images, Geovanni Hernández/La Prensa, Bloomberg/Getty Images, Yiannis Kourtoglou/Reuters, Swiss Image, Corbis/Dukas, Olivier Bertucchi, Konstantin Bril, Pawel Dudzik,Eastnews, Martin Roemers/laif, Christian Schoppe/laif, Irina Popva/Corbis, Handout, PD

Ein bettelndes Mädchen 2007 in einer U-Bahn in St. Petersburg.

Ein bettelndes Mädchen 2007 in einer U-Bahn in St. Petersburg.

© Tamedia