«Facebook macht unzufrieden»

Professorin Sarah Diefenbach erklärt, warum soziale Medien zu Neid, Stress und Sucht führen. Und rät, sich einen Wecker zu kaufen.

München, Dezember 2016.

«Technik prägt die Rituale einer ganzen Generation.»

«Es zählt nicht mehr der Moment, sondern die Reaktion der anderen.»

Selfiewahn bei einem Auftritt von Hillary Clinton in Orlando, Florida (21. September 2016).

Mit Sarah Diefenbach sprach Angela Barandun in München. Fotos und Video: Tom Egli

Frau Diefenbach, früher wurde nichts so häufig fotografiert wie der Eiffelturm. Heute sind wir selbst unser beliebtestes Fotomotiv. Wie konnte das passieren?
Das Selfie ist ein beeindruckendes Phänomen. Es zeigt, wie Technik die Rituale einer ganzen Generation prägen kann. Man hat das Smartphone heute ohnehin immer in der Hand, es fehlen also nur zwei Klicks zum Selfie.

Und wieso fotografiere ich nicht mehr nur den Eiffelturm, sondern mich selbst vor dem Eiffelturm?
Mit dem Aufstieg der sozialen Medien hat plötzlich jeder, der will, Publikum bekommen. Und das Selfie ist die ideale Möglichkeit, sich vor diesem Publikum zu inszenieren. Der ganzen Welt das eigene, einzigartige Leben zu präsentieren. Leider verschwindet die Einzigartigkeit damit aber auch ein Stück. Die sozialen Netzwerke sind voll mit Fotos von Leuten in ähnlicher Pose vor ähnlicher Kulisse.

Beim Publikum kommt das gar nicht so gut an. Die Reaktionen in den sozialen Medien waren fast gehässig, als dieses Bild vom Gruppen-Selfie mit Hillary Clinton bekannt wurde.
Das überrascht mich nicht. Das Problem ist: Wir selbst finden unsere Selfies lustig, alle anderen halten sie für selbstdarstellerisch, wie eine unserer Studien zeigt. Verkürzt gesagt: Alle machen Selfies, aber niemand will sie sehen.

Wofür steht dieses Bild, auf dem Dutzende junger Menschen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin den Rücken zudrehen?
Die Szene ist inszeniert, aber durchaus charakteristisch für das, was wir beobachten: Es reicht nicht mehr, etwas zu erleben – wir müssen es auch dokumentieren. Und zwar nach Möglichkeit mit uns selbst im Bild. Es gibt auch ein bekanntes Bild von einer Filmpremiere, welches das Publikum am roten Teppich zeigt: Alle haben das Handy gezückt, um ein Foto zu machen. Nur eine ältere Dame beobachtet in Ruhe die Stars, wie sie über den roten Teppich schreiten. Sie geniesst die Show. Sie weiss noch, was es heisst, ganz im Moment zu sein.

Dann steht dieses Bild für eine gesellschaftliche Entwicklung?
Ja. Unsere Wahrnehmung verschiebt sich. Es zählt nicht mehr der Moment, sondern die Reaktion der anderen. Parallel zum Erlebnis sind viele gedanklich schon in den sozialen Netzwerken, überlegen, wie sich das Erlebte dort präsentieren lässt, welche Art von Foto die meisten Likes ernten wird. Das Erleben selbst kommt dann mitunter zu kurz.

Die Serie
Und jetzt? Gespräche zum Jahreswechsel
Zwischen Weihnachten und Neujahr unterhalten wir uns mit acht Interviewpartnern über das, was die Schweiz und die Welt bewegt. Zu Beginn steht immer ein Bild aus dem Jahr 2016. Und die Frage: Was wird jetzt daraus?

Valon Behrami über das Elend von Flüchtlingen
Erschienen am 28. Dezember 2016

Sarah Diefenbach über die Generation Selfie
Erschienen am 30. Dezember 2016

Roger Köppel & Daniel Jositsch über die Linke und die Rechte in der Schweiz
Erschienen am 31. Dezember 2016

Die Gespräche mit Anne Applebaum, Carlo Strenger, Wolfram Eilenberger und Chappatte finden Sie in unserer Collection auf Tagesanzeiger.ch oder auf DerBund.ch

«Daumen und Hirn verändern sich.»

«Und statt eine Antwort zu suchen, denken wir an Google.»

Es wird wichtiger, meinen Freunden zu zeigen, dass ich Hillary Clinton live erlebt habe, als Hillary Clinton live zu erleben?
Zumindest gehört das öffentliche Teilen immer mehr dazu. Die Freude darüber, ein Bild auf einem Portal wie Instagram oder Facebook zu veröffentlichen und Aufmerksamkeit dafür zu erhalten.

Bestätigung zu suchen, ist aber eigentlich nichts Neues.
Das stimmt schon – das ist ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis. Allerdings hat es sich mit den Möglichkeiten der sozialen Medien verselbstständigt. Man hat die Möglichkeit, von sehr viel mehr Menschen Bestätigung zu erhalten als früher. Und das erhöht den Druck: Die Möglichkeit schafft Stress. Und durch das System mit den Likes findet zudem eine Entwertung statt: Am Anfang freut man sich über jedes einzelne Like, aber irgendwann gewöhnt man sich daran, die Likes werden zur Sucht, und wenn man plötzlich keine Likes mehr bekommt, ist es ein negatives Erlebnis.

Woher rührt der Stress?
Man ist im Internet oder auf Facebook automatisch in einem sozialen Wettbewerb. Je mehr Freunde man hat, umso schlimmer wird es, weil man sich potenziell mit immer mehr Menschen vergleichen kann. Und das führt unweigerlich dazu, dass man unzufrieden wird. Das Leben der anderen wirkt immer aufregender und glücklicher als das eigene.

Auf der einen Seite suche ich also für meine eigenen Bilder Bestätigung – und weil sich das über die Zeit abnützt, brauche ich immer mehr davon und poste immer aufsehenerregendere Bilder. Und auf der anderen Seite leide ich darunter, dass alle anderen dasselbe machen. Wieso durchschauen wir das nicht?
Das tun wir – im Kopf. Aber emotional können wir uns nicht dagegen wehren. Sogar wenn ich weiss, dass das Leben meines Nachbarn wirklich nicht immer so perfekt ist, wie er es auf Facebook darstellt – die Emotionen, die entstehen, wenn ich seine Fotos sehe, sind trotzdem real: Ich werde neidisch.

Kein schönes Gefühl.
Nein. Es geht den Menschen oft schlechter, nachdem sie auf Facebook waren – obwohl sie die Plattform eigentlich als eine Bereicherung für sich selbst erachten. Gleichzeitig verbringt man immer viel mehr Zeit auf Facebook, als man eigentlich geplant hat. Das ist paradox.

Was steckt dahinter?
Facebook funktioniert im Grunde wie ein einarmiger Bandit. Wie beim Glücksspielautomaten geht es um kleine Einsätze, in Form von Zeit statt Geld, die im Einzelnen nicht ins Gewicht fallen, erst in der Summe gesehen wird es krass. Ganz oft hat man danach allerdings das Gefühl, man hätte die Zeit doch lieber anders verbracht. Trotzdem geht man immer wieder zurück, denn manchmal wird man auch belohnt – etwa, indem man einen interessanten Artikel findet oder einen alten Freund wieder trifft. Und wie der Glücksspielautomat kann Facebook süchtig machen.

Ist dieser Suchtfaktor Absicht?
Das weiss man natürlich nicht mit Gewissheit. Aber man kann sich fragen: Womit verdient Facebook Geld? Nicht mit den Nutzern, sondern mit den Kunden – den Werbefirmen. Klar also, dass das Geschäft dann gut läuft, wenn wir besonders viel Zeit auf der Plattform verbringen – und nicht etwa, wenn es uns dabei besonders gut geht.

Zur Person
Sarah Diefenbach: Professorin für Wirtschaftspsychologie

Diefenbach lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München und gehört mit ihren 34 Jahren zu den jüngsten Professoren Deutschlands. Sie hat in Darmstadt Psychologie studiert. Den Ausschlag für das Nebenfach Informatik, das heute ihre Karriere prägt, gab ihr Partner, mit dem sie das im Mai erschienene Buch «Digitale Depression» verfasst hat. Darin beschreiben die beiden, wie sich die Menschen durch den gedankenlosen Gebrauch von Technik um Glücksmomente bringen.

In ihrem Alltag befasst sich Sarah Diefenbach mit der Frage, wie die Menschen Technik nutzen, was sie mit ihnen macht und wie man die Schnittstellen dazwischen optimieren kann. Sie hatte während des Interviews und des nachfolgenden Fototermins kein Handy dabei, lebt Facebook-abstinent und liest E-Mails ausschliesslich auf dem Computer.

Mit wem würde sie ein Selfie machen? Die Antwort gibt Sarah Diefenbach im Video.

Was hat es für gesellschaftliche Folgen, wenn sich die Wahrnehmung des Einzelnen immer mehr auf die indirekte Ebene verschiebt?
Einerseits findet eine Entfremdung statt. Es gibt den Prototyp des Smombie, der mit auf sein Smartphone gerichtetem Blick und Ohrstöpseln durch die Strassen läuft und nichts mehr um sich herum wahrnimmt. Er kapselt sich ab. Andererseits gibt es das starke Bedürfnis, mit der Welt verbunden zu sein. Das verlagert sich immer mehr in diese Parallelwelt. Dies ist möglicherweise auch ein Grund dafür, dass immer mehr Online-Verhaltensweisen in die Offline-Welt überschwappen. Sei es, dass man immer zu allem seine Meinung kundtut, also immer im Kommentarmodus ist. Oder dieses Provozieren, Menschenbewerten, Sehr-offensiv-Sein.

Wie kommen Sie darauf?
Es ist nicht verwunderlich, dass eine Form des Denkens, die wir online den ganzen Tag einüben, immer mehr auch im persönlichen Kontakt zur Anwendung kommt und es sozusagen als angemessener angesehen wird, dass man auch über anwesende Menschen sehr wertend spricht.

Findet eine Verrohung statt?
Ja. Aber daran ist meiner Einschätzung nach nicht allein die digitale Welt schuld. Sie bringt nur zum Vorschein, was ohnehin in den Menschen angelegt ist. Entscheidend ist einerseits die relative Anonymität, die einem die Onlinewelt bietet. Sogar wenn man mit Namen schreibt, geht man in der Masse unter. Und andererseits die vermeintliche Unterstützung, die man erfährt. Man glaubt ja schnell, eine ungeheuer populäre Meinung zu vertreten, weil man im Internet für jede These sofort ein paar Unterstützer findet. Auf der Strasse würde einem das nicht passieren. Das liegt an der riesigen Reichweite. Und leistet letztlich auch populistischen Strömungen Vorschub.

«Es gibt den Prototyp des Smombie, der sich abkapselt.»

«Womit verdient Facebook Geld?»

«Nicht mit den Nutzern, sondern mit den Kunden – den Werbefirmen.»

Macht das Internet nicht nur öffentlich, was bisher am Stammtisch diskutiert wurde?
Schon. Aber es wirkt auch als Verstärker – im Internet gibt es für jede Meinung einen Stammtisch. Im Internet findet man nicht nur viel schneller Gleichgesinnte, man kann sich auch viel einfacher mit ihnen vernetzen. Und mit der Gewissheit im Rücken, dass man nicht alleine dasteht, tritt man in der realen Welt ganz anders auf.

Und was heisst das in Bezug auf die sogenannte Filterbubble, die im Nachgang zur US-Präsidentschaftswahl heftigst diskutiert wurde?
Die Menschen hatten schon immer die Tendenz, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben. Vielleicht haben sie sogar eine politische Tageszeitung abonniert, die diese Werte spiegelt.

Wo liegt der Unterschied zu Facebook, wo anderslautende Meinungen einfach ausgeblendet werden?
Jeder bewegt sich in einer Blase und umgibt sich mit Informationen, die Filter durchlaufen haben. Aber das Internet hat es noch einmal leichter gemacht. Das hat dazu geführt, dass relativ unbemerkt parallele Weltanschauungen aufgebaut werden – wie etwa die US-Wahlen gezeigt haben. In gewissen Kreisen wird eine Beschäftigung mit alternativen Quellen ja schon fast als verpönt angesehen. Oder die alternativen Medien werden als unseriös deklariert. Problematisch finde ich, dass uns das teilweise nicht einmal bewusst ist. Was Facebook uns an Meldungen anbietet oder was Google mir anzeigt, ist ja auch schon vorgefiltert. Selbst wenn ich also glaube, ich suchte neutral, finde ich mit höherer Wahrscheinlichkeit Informationen, die mein Weltbild bestätigen.

Ist das eine Gefahr für unsere Gesellschaft?
Ja, das kann man schon so sehen.

Wir haben darüber gesprochen, wie das Internet und die sozialen Medien die Gesellschaft verändern. Was macht es denn mit uns als Individuen?
Die Technik verändert unser Denken und unsere Wahrnehmung. Wir müssen uns zum Beispiel kaum mehr Dinge merken. Das Smartphone weiss eigentlich alles: den Weg, Telefonnummern, Geburtstage. Es lassen sich ganz konkret Veränderungen auf Ebene der Hirnfunktionen messen. Eine Studie hat gezeigt, dass die Teilnehmer, wenn ihnen eine Wissensfrage gestellt wird, schnelle Reaktionszeiten zu Namen von Suchmaschinen zeigen.

«Das Hirn verändert sich.»

Die Geschichte des Selfies

Das erste fotografische Selbstporträt wird Robert Cornelius zugesprochen. Es stammt von 1839, die Kamera hatte der Chemiker und Klempner aus Philadelphia selber gebaut. Wegen der langen Belichtungszeit musste er eine Viertelstunde ruhig sitzen bleiben.

Ein sehr frühes Selfie eines Teenies gelang der Zarentochter Anastasia Nikolajewna Romanowa im Oktober 1914. Die 13-Jährige verwendete dafür einen Spiegel und eine Kodak-Brownie-Boxkamera. Sie sagte danach: «Es war sehr hart, weil meine Hände zitterten.»

Dieses Selfie, ebenfalls mithilfe eines Spiegels, schoss der US-Fotograf William Davis Hassler (1877–1921) im Jahr 1917.

Sie machen vor, was im 21. Jahrhundert weltweit etabliert sein wird: Diese fünf Fotografen aus New York halten 1920 eine Kamera vor sich hin und schiessen ein Selfie.

Das sah 1920 schon fast so aus wie heute. Nur die Kamera war klobiger.

1966 schoss der US-Astronaut Buzz Aldrin ein Selfie aus dem All.

Das vermutlich erste und auch so bezeichnete Selfie stammt laut mehreren Quellen von 2002. Der junge Australier Nathan Hope war auf einer Party betrunken die Treppe hinuntergefallen und zeigte seine stark aufgerissene Lippe Freunden im Internet. Und schrieb dazu: «Sorry about the focus. It was a selfie.»

Mit den Smartphone-Kameras beginnt der weltweite Selfie-Trend und -Wahn. Er ist aus der Gesellschaft kaum mehr wegzudenken.

Zusätzliches Phänomen: Ab 2010 taucht der Selfie-Stick auf. Heute auch ein Geschäft für die Strassenhändler vor den Sehenswürdigkeiten in Paris, Florenz und London.

Selfies sind äusserst beliebt bei Filmstars, Musikern und Politikern: Diese Aufnahme hier von Ellen DeGeneres mit Bradley Cooper, Brad Pitt und Co. bei der Oscarverleihung 2014 soll eines der am meisten retweeteten Bilder aller Zeiten sein.

Statt nach der Antwort zu suchen, denken wir an Google?
Genau. Eine andere Studie zeigt, dass Leute, die oft ein Handy mit Touchscreen bedienen, eine erhöhte Daumensensitivität aufweisen. Ich finde, das ist schon eine recht schnelle Anpassungsleistung, die das Gehirn hier zeigt. In dem Sinne kann man heute schon sagen, dass Handys und soziale Netzwerke unsere Spezies verändert haben. Das Gleiche gilt für das, was wir Antwort-Reflex nennen.

Antwort-Reflex?
Sobald das Handy piept, greife ich danach. Ich überlege gar nicht mehr, ob das jetzt passt – oder was das mit den real anwesenden Personen macht, wenn ich mitten im Gespräch plötzlich aufs Handy schaue und eine Nachricht beantworte. Und oft bleibt es dann ja nicht bei einer Mitteilung. Man chattet parallel zum Gespräch und suggeriert, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Was aber nicht funktioniert: Wie ein roter Faden, der immer wieder reisst – so hat es eine Teilnehmerin an einer unserer Studien beschrieben. Heute ist es sozial akzeptiert, dass man während eines Gesprächs nebenher chattet. Natürlich verändert das dann auch die Art und Tiefe der Gespräche. Liegt das Handy auf dem Tisch, fängt man vielleicht gar nicht mehr an, eine komplexe Geschichte zu erzählen, weil man sowieso damit rechnen muss, in einer Minute wieder unterbrochen zu werden.

Das Handy hat Priorität?
Ich weiss nicht, wie sehr das den Leuten bewusst ist. Aber wenn man das beobachtbare Verhalten nimmt, dann scheint es schon so, dass die digitale Kommunikation irgendwie immer den Vorrang hat. Und dass jemand, der mir jetzt gerade eine Nachricht schickt – und die kann auch recht belanglos sein –, mehr Aufmerksamkeit erhält als das Gegenüber. Das Gefährliche am Chatten ist ja auch, dass es kein Ende gibt. Man will vielleicht tatsächlich nur kurz zurückschreiben, aber auf die Antwort folgt eine Gegenfrage, und so gerät man in einen Strudel, aus dem man nur schwer wieder herausfindet.

Das Handy auszuschalten, ist für viele allerdings undenkbar.
Wir haben zu Whatsapp eine Studie gemacht und die Teilnehmer gebeten, während einer Woche die sogenannten Push Notifications auf ihrem Handy auszuschalten. Eingehende Nachrichten wurden also nicht mehr automatisch auf dem Start Screen angezeigt, sondern die Teilnehmer mussten Whatsapp bewusst öffnen. Wir wollten wissen, wie sich das auswirkt auf das Wohlbefinden der teilnehmenden Studenten und ihre Gespräche abseits.

Und wie oft durften sie ihre Whatsapp-Nachrichten abrufen?
So oft sie wollten. Einige Teilnehmer haben berichtet: Am Anfang hatten sie deswegen mehr Stress, weil die Leute das Gefühl hatten, sie müssten dauernd die Mitteilungen abrufen, um nichts zu verpassen. Aber sobald es sich im Freundeskreis herumgesprochen hatte, dass sie an der Studie teilnehmen und darum im Moment keine Benachrichtigungen bekommen, war klar, dass man sie vielleicht besser anruft, wenns wirklich wichtig ist. Erst dann setzte der Entspannungseffekt ein.

Was raten Sie besorgten Eltern, worauf sollten sie bei ihren Kindern achten?
Ich weiss gar nicht, ob man um die Kinder viel besorgter sein muss als um die Erwachsenen. Stellen Sie sich vor, die Eltern würden so oft aufstehen und zum Briefkasten gehen, wie sie am Tisch vor den Kindern ihre E-Mails checken. Statt Regeln für die Mediennutzung aufzustellen, würden sie ihren Kindern besser vorleben, wie man die Technik bewusst nutzt. Und ihnen ein Verständnis dafür mitgeben, was die Technik mit uns macht. Damit gäben sie den Kindern Instrumente in die Hand, um selbst zu entscheiden, was ihnen guttut.

Für alle, die sich jetzt vielleicht ertappt fühlen: Was wäre ein guter Neujahrsvorsatz?
Ich empfehle jedem, sich in den nächsten Tagen selbst zu beobachten und sein Leben zu durchleuchten: Wie oft interagiere ich mit Technik, und wann tut es mir gut – und wann nicht? Und basierend darauf zu entscheiden, welche Routinen man verändern möchte. Was ich von vielen Menschen höre: Mein Handy ist eben auch mein Wecker, und darum liegt es gleich neben dem Bett, und deshalb gehe ich auch immer abends nochmals ins Internet, und morgens geht auch der erste Griff zum Handy. Das ist doch eine Sache, die man ganz leicht beheben könnte: Man kauft sich einfach einen Wecker.

«Das Gefährliche am Chatten ist, dass es kein Ende gibt.»

«Wir selbst finden unsere Selfies lustig.»

«Alle anderen halten sie für selbstdarstellerisch.»

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